Vorbild Skandinavien: finna.fi

Das finnische Portal finna.fi stellt Bestände von Archiven, Museen und Bibliotheken online zur Verfügung und baut so Barrieren ab.

S

ind Museen und Galerien in der Kulturvermittlung überholt? Hat das Publikum noch Interesse und Motivation, sich mit künstlerischen und kulturellen Themen auf herkömmliche Art und Weise auseinander zu setzen? Im Zeitalter der Generation Internet und der sozialen Medien müssen auch Museen ihr Angebot überdenken, um die Barrieren, die die Kulturinteressierten von einem klassischen Museumsbesuch abhalten, überwinden zu können.

Auf der MAI-Tagung 2016 wurden Möglichkeiten präsentiert, um Inhalte für den potentiellen Museumsbesucher präsentabel zu machen. Barrieren, die bestehen könnten, sind von zeitlicher, finanzieller, lokaler oder physischer Natur. Dagegen geht es anzugehen. Um attraktiv zu bleiben, arbeiten Museen verstärkt mit den digitalen Medien. Beispielsweise in Finnland arbeiten Archive, sowie Museen und auch Bibliotheken an einem Serviceangebot, welches Sammlungsstücke verknüpft. Tapani Sainio von Finland’s National Board of Antiquities berichtete davon auf der MAI-Tagung 2016. Das Finna-Portal ist ein Teil der Nationalen Digitalen Bibliothek und umfasst 11.068.152 Einträge wie Videos, Forschungsarbeiten, Kunstwerke und Bücher. Diese Einträge können online durchsucht, aber auch reserviert und sogar Institutions- und Ortübergreifend entliehen werden. Somit wird die Integration von Digitalisaten in Verwaltungssystemen ermöglicht und außerdem wird das Kulturangebot leichter zugänglich gemacht.

Finna arbeitet seit 2013 mit der Aalto Universität, mit Nutzern und mit der Bibliothek Celia für Menschen mit Lesebeeinträchtigungen zusammen. Um Hindernisse zu identifizieren und zu beheben, werden die Nutzer bei der Anwendung beobachtet, es werden Fragebögen und Interviews erfasst und auch Experten-Analysen und Usability-Tests durchgeführt. So konnten bis 2014 etwa hundert Barrieren erfasst und behoben werden. Ein Jahr später wurden diese Hindernisse direkt berücksichtigt. Da im Herbst 2016 direkt mit dem Nutzer zusammen gearbeitet werden soll, wird das Angebot ständig verbessert. Eevana Rantamo gab zum Abschluss der MAI-Tagung 2016 einen Workshop zur Nutzerbeteiligung. Eine wichtige These ist, dass kein Standardnutzer existiert, es bei barrierefreien kulturellen Angeboten um eine breitgefächerte Berücksichtigung  gehen muss und auch die Zusammenarbeit mit unterschiedlichsten Organisationen und Vereinen stattfinden sollte. Flexibilität ist ein wichtiges Stichwort, um laufend aus Fehlern lernen zu können. Auch wenn das Projekt schon beendet ist, sollte die Kooperation mit den Verbänden weiterhin bestehen bleiben und Feedbacks sind dauerhaft erwünscht, um dauerhafte Nutzerzufriedenheit zu gewährleisten.

So wird das Kulturangebot für viele attraktiver und nutzbarer gemacht und umso mehr Barrieren abgebaut werden, desto mehr Menschen fühlen sich eingeladen, vielleicht unbekanntes Territorium zu besuchen. Sie werden somit eingeladen, sich auf kulturellen Boden zu begeben.

Nadine Inga Brüning ist Kunsthistorikerin und Germanistin. Den Master of Arts absolvierte sie in Kunstgeschichte in Halle an der Saale. Seit 2015 wohnt sie in Leipzig.

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