Museen in der Krise? – Wie Kultureinrichtungen neu gedacht werden können

Museen stehen in Zeiten der Globalisierung und Digitalisierung vor komplexen Herausforderungen. Neue Strategien sind gefragt, um den Sprung von der Vergangenheit in die Zukunft zu schaffen. Die Themenserie informiert über aktuelle Diskurse und Konzepte für eine Neuausrichtung des öffentlich geförderten Kulturbetriebs.

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ie einen sagen, die Museen boomen und loben die moderne Ausrichtung, Architektur und Ausstellungsdramaturgie. Andere meinen, es sei ein drastischer Besucher*innenrückgang zu verzeichnen und sprechen von einer generellen Krise im öffentlichen Kulturbetrieb. Da jede Einrichtung in der Regel mit einem individuellen Profil eigene Zielsetzungen verfolgt und ein bestimmtes Publikum anspricht, ist ein differenzierter Blick und sind gegebenenfalls individuelle Lösungsansätze gefragt.

In den folgenden Beiträgen sollen Strategien gezeigt werden, die helfen, den neuen Anforderungen der Museen als Verhandlungsorte gesellschaftlicher Fragen gerecht zu werden. Im Fokus stehen dabei neue Vermittlungsmethoden, die eine breite gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen.

Wir befinden uns in einer Zeit des gesellschaftlichen Wandels. Diese dynamischen Veränderungen gehören in die Welt und machen das Menschsein aus. Kultur und Kunst nehmen diese Aspekte inhaltlich auf. In ihnen spiegeln sich gesellschaftliche Strukturen, Brüche, allgemeine und detaillierte Situationen, in denen wir uns als Individuen und im Kollektiv wiederfinden. Kunst kann die Wirklichkeit reflektieren, neu interpretieren und neu kreieren. Museen und Kunsthallen, Theater und Konzerthäuser dienen als Raum der Thematisierung menschlichen Erlebens.

Der Ruf nach transkultureller Öffnung wird laut, nach Inklusion und Teilhabe

Im Rahmen der aktuellen gesellschaftspolitischen Situation in Deutschland, gibt es momentan intensive Debatten zu den derzeitigen kulturpolitischen Entwicklungen. Kulturschaffende und -wissenschaftler fragen sich, wie Kultureinrichtungen so verändert werden können, dass sie dem Anspruch weiterhin gerecht werden, sich als Einrichtung im Sinne der Öffentlichkeit zu verstehen. Diese Öffentlichkeit zeigt sich zunehmend heterogen und scheint im Gesamtbild schwerer erfassbar zu sein. Der Ruf nach transkultureller Öffnung wird laut, nach Inklusion und Teilhabe für viele, vielleicht sogar für alle. Nirgendwo fließen so großzügig staatliche Fördermittel in Museen, Theater- und Konzerthäuser wie in der Bundesrepublik. Vor allem beim jüngeren Publikum scheint es jedoch tendenziell Schwierigkeiten zu geben, es für Themen und Angebote im hochkulturellen Bereich zu begeistern.

Die großen Institutionen stehen in der Kritik, der Öffentlichkeit in ihrer Vielfalt oftmals nicht mehr genügend gerecht zu werden. Hierarchische Strukturen ermöglichen nicht ausreichend Aktionsfelder für alle Beteiligten, schließen oftmals Minderheiten aus, die mittlerweile keine Minderheiten mehr sind. In den USA und im Vereinigten Königreich gibt es seit Jahrzehnten Debatten zur Gleichberechtigung der Menschen. Unabhängig von Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit und sozialer Herkunft soll gesellschaftliche Partizipation umfassend möglich sein. Diese Diskurse werden auch in Deutschland zunehmend an- und Ernst genommen.

Insbesondere junge, gut ausgebildete Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen treten mehr und mehr für ihr Recht auf Mitwirkung ein. Sie schaffen neue  Strukturen und setzen sich für innovative Konzepte der Programmierung und Vermittlung ein. Sie kreieren alternative Räume, die eine andere Atmosphäre schaffen und neue Zielgruppen ansprechen.

Ein erster Schritt in neue Richtungen lässt sich nicht erzwingen. Er schließt Stürze und Verletzungen nicht aus. Die Neukonzeption einer Einrichtung sollte in erster Linie von allen Mitarbeiter*innen gewollt und getragen werden. Wenn bisherige Entscheidungsträger*innen bereit sind, neue Strukturen zu akzeptieren und diverse gesellschaftliche Gruppen teilhaben und mitbestimmen zu lassen, dann übernehmen sie die Verantwortung, einer neuen Generation den Weg zu ebnen. Interaktive und performative Ausstellungskonzepte eröffnen neue Möglichkeiten der gesellschaftlichen Verhandlungen. Sie können ein demokratisches Zusammenleben unterstützen.

Viele Menschen machen sich Gedanken über den Status Quo unserer komplexen Welt. Es handelt sich um ernstzunehmende Fragestellungen einer jungen Generation, die sich als Individuen in einer Gesellschaft verorten möchte. Wir sehnen uns im Großen und Ganzen nach Frieden und Stabilität innerhalb der Dynamik. Diesen Frieden zu wahren, fordert ein hohes Maß an Engagement und eine Bereitschaft, zu diskutieren, auszuhandeln und gegebenenfalls zunächst zu scheitern. Die Kulturlandschaft ist naturgemäß in diesen Übergangsprozess eingebunden. Wir verändern uns organisch als globale Gesamtgesellschaft. Für die aktuellen Fragestellungen und Bedürfnisse braucht es innovative Kommunikationsformen und neue Aktionsfelder des verantwortungsvollen Miteinanders und sozialen Handelns.

Sarah Fritzsche studierte in Leipzig, Cádiz, Lima und Recife Literatur- und Kulturwissenschaften mit Schwerpunkt Postmoderne Literatur und Postcolonial Studies. Sie ist als freie Journalistin und im Rahmen eines Volontariats im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Museum tätig. Alle Texte von Sarah Fritzsche auf zukunft-museum.de

 

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