#museum – Social-Media im Museum

Social-Media gehört für viele Museen mittlerweile selbstverständlich zu ihrer Kommunikationsstrategie. Doreen Mölders vom Staatlichen Museum für Archäologie Chemnitz spricht im Interview über ihre Erfahrungen mit sozialen Netzwerken und warum im smac Kuratoren twittern.

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as die Betreuung von Social-Media-Kanälen den Kuratoren eines Museums obliegt ist außergewöhnlich, fällt diese Aufgabe doch klassisch in den Bereich Öffentlichkeitsarbeit. Wie kam es im Staatlichen Museum für Archäologie Chemnitz (smac) dazu?

Das ist eine Kapazitätsfrage. Unsere Mitarbeiterin für Öffentlichkeitsarbeit ist mit der Betreuung von Medienvertretern, unserer Website und vielen anderen Dingen gut ausgelastet. Daher haben wir als Kuratorenteam entschieden, die Social-Media-Plattformen zu übernehmen. Auch weil wir das für wichtig halten. Langfristiges Ziel muss aber sein, dafür eine Stelle im Bereich Öffentlichkeitsarbeit zu schaffen.

Was genau ist Ihnen an der Nutzung von Social-Media-Plattformen wichtig?

Es geht uns in jeder Form um Vermittlung. In den Sozialen Medien erzählen wir gern Geschichten, die hier im Museum passieren und von denen die Besucher in der Ausstellung nichts wahrnehmen bzw. mitbekommen. Ein Blick hinter die Kulissen: Wie funktioniert eine Ausstellungsvorbereitung und was genau machen die verschiedenen Museumsmitarbeiter_innen überhaupt? Es geht uns aber auch um Nachhaltigkeit von Wissen. Die Besucher sollen sich über den Ausstellungsbesuch hinaus über unsere Themen  informieren können. Ein gutes Beispiel ist unsere Alltagswand, in welcher wir 1.300 Objekte zeigen. Aus ästhetischen Gründen wurde auf eine Objektkennzeichnung an den Vitrinen verzichtet. Auf Instagram stellen wir nun unter dem Hashtag #alltagsding jedes Objekt vor.

Außerdem möchten wir das Museum als Diskussionsraum öffnen und Möglichkeiten der Partizipation schaffen. Nirgendwo sonst kommen wir leichter mit Interessierten in Kontakt als in den Sozialen Medien. Dort stellen wir uns aber auch der Kritik.

Ein von smac (@smac_museum) gepostetes Foto am

Mussten Sie viel Überzeugungsarbeit leisten, als Sie im Museum mit Social-Media angefangen haben?

Wir haben darüber diskutiert, noch bevor das Museum eröffnet wurde. Und wir waren uns alle einig, dass wir Social-Media bedienen wollen. Am Anfang standen Homepage, ein Blog und Facebook. Nach und nach sind Twitter und Instagram dazugekommen. Zurzeit entscheiden wir immer wieder neu, welche Kanäle wir mal mehr mal weniger bedienen, je nachdem wie sich die Social-Media gerade entwickeln. Inzwischen gibt es ja auch noch Snapchat, eine Plattform welche wir nicht nutzen. Aber nicht, weil wir das nicht sinnvoll finden, sondern weil manchmal der Zugang nicht einfach ist.

Nach welchen Kriterien wählen Sie Plattformen aus? Es gibt gefühlt jeden Monat ein neues Netzwerk, das gehypt wird. Wann sagen Sie: „Da sind wir dabei!“ und wann sagen Sie: „Nee, das sparen wir uns jetzt mal.“?

Entscheidend sind einmal Machbarkeits-Kriterien. Wir merken, dass wir als Kuratoren an unsere Grenzen kommen. Zwei bis drei Stunden Arbeitszeit investieren wir am Tag schon alleine für Social-Media. Zum anderen sind Interessen und Fähigkeiten, wie man mit den einzelnen Portalen zurechtkommt, entscheidend. Letzteres hat in unserem Fall gegen Snapchat gesprochen. Und noch etwas ist problematisch bei Snapchat: Gerade als Historiker sind wir ja dazu ausgebildet, etwas nachhaltig zu erzählen. Sich dann damit anzufreunden, dass Storys bzw. Inhalte nach 24 Stunden wieder verschwinden, ist schon eine Herausforderung.

Sie twittern jetzt seit über einem Jahr. Was ist denn Ihr Fazit?

Nachdem der Anfang etwas holprig war, habe ich persönlich Twitter sehr lieb gewonnen. Vor allem aus dem Grund, weil es ein Portal mit leichtem Zugang zu Informationen ist. Was man allerdings sagen muss ist, dass Twitter vorrangig ein B2B-Portal ist. Die Häuser unterhalten sich untereinander. Was wirklich außerhalb der Community ankommt, wissen wir nicht. Twitter ist kein Portal wie Facebook, auf dem man in Kontakt mit Besuchern kommt. Wobei wir nicht wissen, wer uns still folgt. Wir haben fast 1000 Follower, Rückmeldung bekommen und Austausch haben wir mit etwa einem Dutzend. Was die anderen 980 machen, weiß ich nicht. Aber es ist und bleibt eine sehr schöne Form der Kommunikation. Gerade die Beschränkung auf 140 Zeichen trainiert auch in Bezug auf das Schreiben von Ausstellungstexten. Man lernt wirklich, sich kurz zu fassen. Außerdem ist Twitter hilfreich im Arbeitsalltag, weil man sich schnell über aktuelle Themen informieren kann.

Und wie sieht es mit Facebook und Instagram aus?

Dr. Doreen Mölders ist Kuratorin am smac und begeisterte Twitter-Userin.

Dr. Doreen Mölders ist Kuratorin am smac und begeisterte Twitter-Userin.

Facebook ist unser Hauptportal, um mit den BesucherInnen in Kontakt zu kommen. Im digitalen Gästebuch teilen uns die Besucher ihre Meinung über die Ausstellung mit, auch Kritik, das finden wir sehr gut. Und Instagram boomt gerade sehr. Auch, wenn wir da noch ganz klein sind. Aber alle Social-Media-Portale haben so ihren Vorteil und den versuchen wir gerade herauszufinden und entsprechend zu nutzen. Bei Instagram sind es eben schöne, ansprechende Bilder, so dass wir uns  diesbezüglich entsprechend Mühe geben müssen. Bei Facebook schildern wir vorrangig unseren Alltag und teilen unsere Veranstaltungen.

Haben Sie auch Negativerfahrungen gemacht? Man hört ja vor allem in Bezug auf Facebook von Hasskommentaren.

Als die Demonstration von Pegida und dem Chemnitzer Ableger begannen, haben wir einmal ein kurzes Statement geschrieben – „Multikulti seit 7000 Jahren.“ – und da gab es zu erwartende Reaktionen. Ansonsten aber eher nicht. Ich glaube, dass die Hemmschwelle gegenüber einer Institution größer ist. Aber auch wenn wir Fragen stellen oder Gewinnspiele teilen, sind die Reaktionen eher verkürzt. Das kann daran liegen, dass wir meist aus einem Bauchgefühl heraus posten. Aber wir arbeiten auf eine Professionalisierung hin.

Wenn jetzt ein Museum in Social-Media aktiv werden will: Was würden Sie für Tipps geben?

Zunächst sollte man eine Strategie entwickeln. Die Ziele sind genauso wichtig wie die Frage der Kapazitäten. Das haben wir ein Stück weit unterschätzt, weil wir den Aufwand nicht kannten. Den Twitter-Account betreiben wir, weil er uns ans Herz gewachsen ist. Die Frage ist natürlich, ob man das als Museum muss oder nicht. Und man braucht professionelle Beratung, die wir nur teilweise in Anspruch genommen haben, für Twitter zum Beispiel.

Haben Sie schon mit tweetups oder instawalks experimentiert?

Für unsere erste eigene Sonderausstellung haben wir ein Social-Media-Event veranstaltet, das wir bewusst offen gehalten haben, das heißt wir haben nicht explizit einen tweetup oder instawalk konzipiert, sondern eine Veranstaltung, die für alle Portale offen war. Es waren fünfzehn User da, für den ersten Versuch war das ein Erfolg. Die Veranstaltung lief allerdings eine Woche vor Ausstellungsbeginn, vieles war also noch gar nicht zu sehen. Beim nächsten Mal würden wir es mit einem Preview-Event verbinden, damit die Leute, die für uns kostenlose Werbung machen, keine halbfertige Ausstellung zu sehen bekommen.

Merken Sie unterm Strich, dass Sie mit Social-Media neue, vor allem junge Besucherschichten erreichen?

Das Foyer des smac wird zum Club transformiert.

Das Foyer des smac wird zum Club transformiert.

Ich denke schon. Gerade auf Instagram folgen uns viele junge Menschen. Auf Facebook sind es die 25- bis 45-Jährige. Ein Zuwachs an Followern steht häufig im Zusammenhang mit Veranstaltungen. Wenn wir beispielsweise unsere jährliche Veranstaltung „a – wie apéritif“ mit elektronischer Musik machen, erreichen wir deutlich mehr Menschen, die Social-Media affin sind.  Letztendlich geht es uns aber nicht nur um die Posts und die Likes, sondern vor allem auch um ein modernes Image.

Was haben Sie für Wünsche, wie es mit Social-Media hier im smac weitergehen soll?

So viel Spaß es mir auch macht, würde ich es gerne an jemanden abgeben, der/die unsere Social Media-Kanäle professionell betreibt, keine Frage. Dass in Zukunft die digitale Welt wichtiger und komplexer werden wird, ist – glaube ich – keine Kaffeesatzleserei, sondern eine zu erwartende Realität. Dieser Entwicklung müssen sich die Museen stellen, mit allen Konsequenzen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Interview: Oliver Weidlich
Fotos: smac
Foto unten: smac/ Jutta Boehme

Oliver Weidlich ist Gründer von zukunft-museum.de und Geschäftsführer des birnbaum media.lab. Auf zukunft-museum.de schreibt er über spannende Entwicklungen rund um Museen und Ausstellungshäuser. Als ausgebildetem Medienpädagogen liegt ihm vor allem die Vermittlungsarbeit am Herzen.

Kommentare (2)

  1. Ich finde es schön, wenn die Kuratoren selber schreiben, das wird meist deutlich gehaltvoller als die Werbesprache der Öffentlichkeitsarbeit. Aber: Wurde youtube vergessen?

  2. Eine Übersicht über die Social Media-Präsenz von archäologischen Museen gibt es bei ArchaeoZeit: http://www.archaeozeit.de/2016/05/16/arch%C3%A4ologie-und-internet/

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