Eintritt im Museum – Utopie oder Selbstverständlichkeit?

Kostenfreie Tage, komplett freier Eintritt oder pay-as-you-go: An Ideen für den Abbau des Eintrittsgeldes als Hemmschwelle mangelt es nicht.

Die meisten Museen sind Institutionen im Sinne der Öffentlichkeit und möchten diesen Anspruch auch reflektiert sehen. Obwohl Museen sich bisweilen mit verstaubten Klischees herumschlagen müssen, bisweilen tatsächlich verstaubt sind, lässt sich doch auch die gegenläufige Tendenz beobachten, in der das Museum potentiell ein Massenmedium des 21. Jahrhunderts sein kann. Vorausgesetzt es spricht eine große Bandbreite an Personen an und schafft es, diese auch wirklich ins Museum zu holen. Eine fundamentale und viel diskutierte Frage hierbei ist die nach den Eintrittspreisen.

In der Regel finanzieren sich Museen in Deutschland über staatliche Zuschüsse aus Bund, Ländern und Kommunen, über die Einnahmen aus Eintrittsgeldern, Museumsshops und aus den an die Museen angebundenen Cafés, über Sponsoring und Spenden, Vermietungen und Rechte.

Die Eintrittsgelder dürfen dabei nicht vernachlässigt werden. Es gibt immer wieder Debatten darüber, wie viel Kultur kosten darf und sollte, oder eben nicht. Grundsätzlich sollte gelten, dass der Preis für kulturelle Veranstaltungen niemals ausschließend wirkt und sollte die Möglichkeit, ein Museum oder eine Veranstaltung besuchen zu können, jedem Menschen gegeben sein. Auch Zielgruppen, die üblicherweise kein Museum besuchen oder es sich tendenziell weniger leisten können, sollten zum Museumsbesuch motiviert werden. Dafür lohnt es sich einerseits generell über die Konzeptionen der Ausstellungen nachzudenken, andererseits über die Eintrittspreise.

In Europa gewinnen Strategien für das eintrittsfreie Museum zunehmend an Popularität. Selbst die meist besuchten Museen in Großbritannien öffnen ihre Pforten eintrittsfrei, in Frankreich hat sich der freie Eintritt für junge Menschen bis 26 Jahre etabliert. Und obwohl eine freie Eintrittspolitik für alle wünschenswert wäre, müssen dabei doch die vorhandenen Strukturen berücksichtigt werden. Das heißt, es muss geschaut werden, aus welchen Quellen sich ein Etat speist und wie weit ein Museum damit operieren kann, ohne die inhaltlichen Ansprüche senken zu müssen. Der große Unterschied zwischen Deutschland und Ländern wie Großbritannien und den USA liegt dabei beispielsweise in der Verteilung der Drittmittel – während bei letzteren erhebliche Einnahmen durch private Sponsoren und Mäzenen gewonnen werden, sind deutsche Museen viel stärker auf staatliche Mittel angewiesen. Nicht zu vergessen ist auch, dass andere Kultureinrichtungen wie Opern, Konzerthäuser, Theater und Kulturprojekte in Deutschland viel intensiver durch den Staat gefördert werden und erhebliche Kosten verursachen. Private Unterstützung ist bei weitem nicht so etabliert und hängt auch vom Standort ab.

Frau im Museum

Besucher im Museum Folkwang können seit 2015 die Dauerausstellung kostenfrei besichtigen.

So profitiert das Museum Folkwang in Essen von der großzügigen finanziellen Unterstützung der Krupp-Stiftung. Das Museum öffnet seine Pforten durchgängig gratis für alle. Die fehlenden Eintrittsgelder können durch die 1 Million Euro umfassende Unterstützung der Stiftung ausgeglichen werden. Das Museum möchte die Besucher*innen offen und unbefangen willkommen heißen und Kultur für jeden zugänglich anbieten. Die „Schwellenangst“, ein Museum zu betreten soll abgebaut werden, mehr Geld in die Museumspädagogik fließen und das Angebot fremdsprachlicher Führungen ausgebaut werden. Der positive Effekt dessen sei, dass es nun doppelt so viele Besucher*innen gäbe, darunter drei Mal so viele Kinder. Die Nutzungsgewohnheiten des Museums hätten sich verändert, die Besuche seien freier und spontaner.

Es gibt auch Museen, die berichten, die eintrittsfreie Zeit habe nicht dazu beigetragen, dass generell mehr Menschen ins Museum kämen, stattdessen seien die gleichen Besucher*innen wie zuvor dafür öfter erschienen. Weder junge Menschen, noch solche aus sozial schwächeren Milieus hätten tatsächlich allein wegen der Preisfreiheit den Weg ins Museum gesucht. Ein freier Eintritt garantiert also nicht grundsätzlich eine Veränderung des Publikums, wohl aber die Nutzungsgewohnheiten und das Gefühl, mit dem das Museum besichtigt wird.

Dass eine gastfreundliche Haltung des Museums auch für wohlbetuchte Gäste eher einen Impuls darstellt, das Museum zu besuchen, zeigt sich in den kommunalen Museen in Dresden. Eine komplette Eintrittsfreiheit ist hier nicht zu erwarten. Mit einem üppigen Privatsponsoring wie in großen Industriezentren ist in der sächsischen Landeshauptstadt nicht zu rechnen. Die Museen sind auf die Eintrittsgelder angewiesen, schon allein, um dem Anspruch einer Verlagerung der Konzentration auf die allseits beliebten Begleitprogramme gerecht zu werden. Auch in Essen wurden die Sonderausstellungen von der Eintrittsfreiheit ausgenommen. Die Lösung in Dresden bildet ein eintrittsfreier Freitag, der besonders den Ortsansässigen jede Woche die Gelegenheit bietet, das Museum spontan und kostenlos zu besuchen. Die Möglichkeit, am Ende der Woche eher in den Feierabend zu gehen und durch die bewusst angesetzte verlängerte Öffnungszeit länger im Museum zu verbleiben, stellt für viele einen Anreiz dar, diesen Tag zu nutzen. Der Freitag hat sich etabliert, es sind höhere Besucherzahlen zu verzeichnen und der Gang ins Museum gewissermaßen ritualisiert. In einem solchen Mittelweg verzichtet die Einrichtung nicht komplett auf die durchaus gewinnbringenden Eintrittsgelder und bleibt relativ unabhängig von meist zeitlich begrenztem und regional abhängigem Sponsoring.

Besucher zahlen im Verhältnis zur Länge ihres Aufenthaltes

Eine andere Möglichkeit, die zu bedenken lohnenswert sein könnte, ist die Strategie des pay-as-you-want oder pay-as-you-go-Konzeptes. Besucher*innen zahlen in diesem Fall so viel wie sie bereit sind zu zahlen oder zahlen im Verhältnis zur Länge ihres Aufenthaltes. Während der Erfolg im erstgenannten Modell erfahrungsgemäß eher zu wünschen übrig lässt, kann auch bei pay-as-you-go vor allem eine positive Umstellung der Nutzungsgewohnheit beobachtet werden: die Motivation, in der Mittagspause einen kleinen Teil des Museums zu besuchen und bewusst zu genießen, steigt. Unter Tagesgästen hetze kaum jemand durch das Haus, nur um weniger zu zahlen.

Im Grunde zeigt sich hier ein Kernpunkt der ganzen Frage um den Preis: als Besucher*innen sollten wir uns fragen, wie viel uns selbst Kultur wert ist, welche Ausstellungen uns wirklich interessieren und in welche Kultureinrichtungen wir unser Geld investieren wollen. Es ist damit eine Frage der eigenen und selbstgelenkten gesellschaftlichen Verantwortung und damit gewissermaßen auch der Partizipation. Die sogenannte Schwellenangst hängt möglicherweise nicht nur mit den 3 bis 10 Euro Eintrittsgeld zusammen, sondern auch mit dem Gefühl, was mich im Museum erwartet. Ein regelmäßiger eintrittsfreier Tag, möglichst mehrmals monatlich, kann dabei für Museen eine schöne Gelegenheit darstellen, Barrieren zu senken und zu motivieren, das Museum in Ruhe kennenzulernen und mehr und mehr selbst auch unterstützen zu wollen, sobald Inhalte und Räumlichkeiten den Besucher*innen wirklich vertraut sind und auch motivieren, öfter zu kommen. Bisherige Geldgeber sollten nicht aus der Verantwortung der Finanzierung kultureller Einrichtungen befreit werden, bilden diese doch eine wichtige Basis für die kulturelle Bildung einer Gesellschaft. Eine stärkere private Finanzierung durch große Unternehmen, auch standortunabhängig, wäre wünschenswert. Dennoch dürfte das Museum in der Wahrnehmung seiner Nutzer*innen bestenfalls noch mehr zu einem allgemeinzugänglichen Ort der Aneignung und Raum der Zugehörigkeit werden, zu dem alle etwas beitragen möchten, weil sie wirklich etwas mitgenommen haben.

Sarah Fritzsche studierte in Leipzig, Cádiz, Lima und Recife Literatur- und Kulturwissenschaften mit Schwerpunkt Postmoderne Literatur und Postcolonial Studies. Sie ist als freie Journalistin und im Rahmen eines Volontariats im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Museum tätig. Alle Texte von Sarah Fritzsche auf zukunft-museum.de

Foto oben: Martin Abegglen (CC BY-SA 2.0)
Foto Museum Folkwang: Karl Große-Schönepauck

Deutschlandradio Kultur: Museum Folkwang in Essern – Freier Eintritt zieht doppelt so viele Besucher an

Weiterführende Literatur:

Tom Schößler (2016): Preispolitik für Theater: Strategische Preisgestaltung zwischen Einnahmesteigerung und öffentlichem Auftrag. Wiesbaden: Springer Fachmedien.

Edson, Gary (2004): „Museum Management“, in: ICOM – International Councils of Museums: Running a Museum. A practical handbook.  Paris: ICOM.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.